Honig im Kopf

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kinofan43
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Honig im Kopf

Beitrag von kinofan43 » Sonntag 18. Januar 2015, 18:31

Mit Til Schweigerfilmen ist das so eine Sache. Der verkopfte Feuilleton zerreisst dessen Filme eigentlich immer. Wie kann es denn sein, das ein deutscher Regiesseur erfolgreiche Unterhaltungsfilme macht. Deutsche Filme haben gefälligst künstlerisch anspruchsvoll zu sein und bei Filmfestivals abzuräumen, aber sie haben doch gefälligst nicht dem dummen Volk zu gefallen. Und jetzt wagt er sich noch an ein ernstes Thema. Auch wenn mancher Gag hart an der Grenze ist, so ist sein Film trotzdem berührend. Und das verdankt er Dieter Hallervorden.

Amandus Rosenbach ist krank. Er hat Alzheimer. Der Verdacht bestätigt sich, als er von einem Arzt untersucht wird. Daran gedacht hat sein Sohn schon längst. Angefangen bei der merkwürdigen Rede bei der Beerdigung von Amandus Frau, bis zu dem Vorfall als er seine Frau bei der Polizei als vermisst meldet. Er nimmt seinen Vater bei sich auf, das gefällt seiner Frau überhaupt nicht. Nur seine Tochter Tilda freut sich darüber, denn sie kommt mit Amandus prima klar. Doch die Konflikte warten nicht lange. Spätestens als Amandus die Party seiner Frau, auf den Kopf stellt, wird klar, das Amandus wohl in ein Pflegeheim muss. Das wiederum will seine Tochter Tilda nicht akzeptieren. Sie nimmt ihn mit auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig. Dort war er mit seiner Frau. Doch die Reise wird schwieriger als gedacht.

Zugegeben, es gibt in diesem Film einige Szenen, die fand ich problematisch. Doch Dieter Hallervorden schafft es wunderbar, das man mit ihm heult und lacht. Besonders die Szenen mit Til Schweiger, wenn es um die Beziehung zwischen Vater und Sohn geht, fand ich berührend. Til Schweiger hält sich als Schauspieler zurück, Dieter Hallervorden und seine Tochter Emma sind die wahren Stars. Dem ehemaligen Didi-Darsteller hätte ich so ne Leistung gar nicht zugetraut. Er schafft das mit Amandus lacht, oder das man betroffen ist, wenn seine Krankheit schlimmer wird. Til Schweiger schafft es dieses ernstes Thema Alzheimer, unterhaltend und berührend zugleich im Film umzusetzen, ohne zum verlogenen Betroffenheitskino zu werden. Auch wenn die Reise nach Venedig, allzu märchenhaft daherkommt. Aber das verzeiht man dann gerne. Ich habe mich bei diesem Film gut unterhalten.

Meine Bewertung:8/10

Unteroff
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Re: Honig im Kopf

Beitrag von Unteroff » Sonntag 15. Februar 2015, 04:08

Da muss ich leider etwas widersprechen.

Aber zu erst das Positive. Dieter Hallervorden hat, wie du bereits richtig gesagt hast, eine hervorragende Rolle die er auch ausgesprochen gut gespielt hat. Grandiose Leistung und nichts zu meckern. Bis dahin würde der Film für mich auch im oberen Drittel der Bewertungsskala liegen. Nun kommt noch die Schweiger-Familie dazu, die diesen Film zu einem katastrophalen Machwerk werden lässt. Til Schweiger hatte in den letzten Jahren sich bei mir ein gewisses Ansehen aufgebaut durch enorm gute Filme wie Kokowääh, doch momentan befindet er sich auf einem absteigenden Ast. Die Schauspielerische Leistung der Schweigers war katastrophal. 2h ein und den selben Gesichtsausdruck, ein paar hervor genuschelte Wörter und Dialoge die in jedem Schweiger-Film exakt gleich sind, machen dieses Machwerk zu einer völligen Blamage. Du bezeichnest die Venedigreise als zu märchenhaft, aber verzeihbar. Meiner Meinung nach, leider, der größte Schund ever. Til Schweiger muss sich einfach mal entscheiden, ob er ein ernstes Thema dem Publikum näher bringen will und einfach eine schöne Geschichte erzählen. Beides geht nun mal nicht. Er hat das Potential gute Filme zu machen, sowohl familiär als auch ernsthaft, nur nutzt er es nicht und versaut sich durch so ein Mischmasch der Stile sein ganzes Machwerk.
Wenn man Langeweile hat, kann man den Film gerne mal zu Hause gucken, aber ein Gang ins Kino lohnt sich meiner Ansicht nach nicht, die mir von vielen Kollegen bestätigt wurde.
Bei den Besucherzahlen frage ich mich jedoch immer wieder: Welches Niveau hat Deutschland eigentlich?

Bewertung: 4/10

Invincible1958
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Re: Honig im Kopf

Beitrag von Invincible1958 » Sonntag 15. Februar 2015, 13:51

Unteroff hat geschrieben:Bei den Besucherzahlen frage ich mich jedoch immer wieder: Welches Niveau hat Deutschland eigentlich?
Das ist eine gute Frage.

Manchmal wünscht man sich, dass der Kinogeschmack der Deutschen bitte mit dem der Franzosen getauscht werden soll.
Das Problem ist: viele Leute haben KEINEN EIGENEN Geschmack, wenn es um Filme geht. Wie auch? Film als eine der jüngsten Kunstformen hat in Deutschland nicht den Stellenwert wie in anderen Ländern.
Das ist wie mit der U- und E-Musik. Von "oben gesehen" wird die Filmkunst häufig als "niedere Kunst" betrachtet. So kommt es mir jedenfalls vor. Kaum einer der Politiker oder Wirtschaftsbosse hat Ahnung vom Film, kann aber Goethe zitieren und Blockflöte spielen. Daher wird der Film als reines Unterhaltungsmedium abgestempelt. Und wenn man so sozialisiert wird, dann lässt man sich auch leicht den neuesten Til Schweiger aufbinden. Erst recht, wenn Schweiger dann auch noch Werbeplattformen wie eine eigene "Hart aber fair"-Sendung um 20:15 Uhr bekommt. Er ist halt (ähnlich wie Dieter Bohlen) ein guter Netzwerker, der die für ihn "richtigen" Leute auf seine Seite ziehen kann. Er gibt ihnen das Gefühl, dass sie ebenso davon profitieren, wenn sie sich mit ihm einlassen. Ich habe daher aus wirtschaftlicher Sicht großen Respekt vor Schweiger, Bohlen und Co.
Nur leider findet in Deutschland eben keine "Filmgeschichte" statt. Manchmal sieht man sich im Schulunterricht vielleicht einen Film an. Aber die Lehrer haben davon genauso wenig Ahnung wie die Schüler. Filmkunst haben die Deutschen einfach nicht im Blut.

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Re: Honig im Kopf

Beitrag von Mattis » Sonntag 15. Februar 2015, 14:10

Wie ich solch überhebliches Filmkunstgeblubber liebe...

Invincible1958
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Re: Honig im Kopf

Beitrag von Invincible1958 » Sonntag 15. Februar 2015, 14:51

Mattis hat geschrieben:Wie ich solch überhebliches Filmkunstgeblubber liebe...
hahaha

Hab verstanden. :-)

Unteroff
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Re: Honig im Kopf

Beitrag von Unteroff » Sonntag 15. Februar 2015, 23:43

Invincible1958 hat geschrieben:
Unteroff hat geschrieben:Bei den Besucherzahlen frage ich mich jedoch immer wieder: Welches Niveau hat Deutschland eigentlich?
Ich habe daher aus wirtschaftlicher Sicht großen Respekt vor Schweiger, Bohlen und Co.
Da muss ich dir durchaus recht geben. Til Schweiger ist schon ein herausragendes Talent was dies angeht. Spätestens dieser Film zeigt das deutlich. Auch Schauspielerisch ist er nicht zu verachten. So mochte ich ihn sehr in Inglourious Basterds, denn diese Rolle passte auch zu ihm. Ich kann nur leider nicht verstehen, aus welchem Grund gerade Honig im Kopf so hoch gejubelt wird, denn ich sehe es bei enorm vielen Kinogästen die Begeisterung. Allerdings muss ich sagen, wenn ich den Gesichtsausdruck der meisten Gäste betrachte, die aus (z.B.) Birdman kommen und das vergleiche mit denen aus Honig im Kopf, so sehe ich einen deutlichen Klassenunterschied. Schaue ich mir nun die Besucherzahlen und Einnahmen an, so existiert dieser Klassenunterschied auch nur leider anders rum. Die deutsche Filmkunst ist noch sehr unausgereift, stelle ich immer wieder fest. Mir fällt kein einziger deutscher Film der letzten Jahre ein, der annähernd auch nur mit einem wunderbaren Arthaus Film wie Madame Mallory mithalten kann. Einzig in Who am I wurde mal etwas deutsche Filmkunst gezeigt. Ansonsten waren und bleiben die Klassiker (von Heinz Erhardt bis hin zu allen deutschen Märchen) einfach das Aushängeschild und Vorzeigebild der deutschen Filmbranche.

kinofan43
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Re: Honig im Kopf

Beitrag von kinofan43 » Samstag 21. Februar 2015, 15:14

Unteroff hat geschrieben:
Invincible1958 hat geschrieben:
Unteroff hat geschrieben:Bei den Besucherzahlen frage ich mich jedoch immer wieder: Welches Niveau hat Deutschland eigentlich?
Ich habe daher aus wirtschaftlicher Sicht großen Respekt vor Schweiger, Bohlen und Co.
Da muss ich dir durchaus recht geben. Til Schweiger ist schon ein herausragendes Talent was dies angeht. Spätestens dieser Film zeigt das deutlich. Auch Schauspielerisch ist er nicht zu verachten. So mochte ich ihn sehr in Inglourious Basterds, denn diese Rolle passte auch zu ihm. Ich kann nur leider nicht verstehen, aus welchem Grund gerade Honig im Kopf so hoch gejubelt wird, denn ich sehe es bei enorm vielen Kinogästen die Begeisterung. Allerdings muss ich sagen, wenn ich den Gesichtsausdruck der meisten Gäste betrachte, die aus (z.B.) Birdman kommen und das vergleiche mit denen aus Honig im Kopf, so sehe ich einen deutlichen Klassenunterschied. Schaue ich mir nun die Besucherzahlen und Einnahmen an, so existiert dieser Klassenunterschied auch nur leider anders rum. Die deutsche Filmkunst ist noch sehr unausgereift, stelle ich immer wieder fest. Mir fällt kein einziger deutscher Film der letzten Jahre ein, der annähernd auch nur mit einem wunderbaren Arthaus Film wie Madame Mallory mithalten kann. Einzig in Who am I wurde mal etwas deutsche Filmkunst gezeigt. Ansonsten waren und bleiben die Klassiker (von Heinz Erhardt bis hin zu allen deutschen Märchen) einfach das Aushängeschild und Vorzeigebild der deutschen Filmbranche.
Wenn du Kunst sehen willst, musst du ins Museum. Mir ist lieber der Deutsche Film zieht ein großes Publikum an, als das er wie in den achtzigern nur auf Festivals wahrgenommen wird. Und das es keine Deutsche Filme gegeben hat, in den letzten Jahren, die künstlerisch hoch waren, stimmt einfach nicht. Der Untergang, Goodbye Lenin, Das Experiment, Lola Rennt, Das Parfum usw, waren alles deutsche Filme, die anspruchsvoll waren aber gleichzeitig auch kommerziell erfolgreich.

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